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Arbeit essen Seele auf
BastiH beschreibt hier ein Phänomen, welches ich auch immer häufiger in meinen verschrobenen Gedanken entdecke und welche ich als potentielles Zeitgeistproblem der nahen Zukunft in Erwägung ziehe: Zeitlecks im persönlichen Alltag.
Wenn das morgendliche Aufstehen schon als erster Punkt von der täglichen ToDo-Liste gestrichen wird, man von einem task zum nächsten eilt und sich schließlich, ohne konkrete Erinnerung an den verstrichenen Tag über die einbrechende Dunkelheit wundert, hat man vermutlich ein Leck im individuellen Zeitkontinuum.
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Wir sind umgeben von ToDo-Listen. Im iPhone, Outlook, evolution, auf Papier und im Kopf. Oder im Kopf eines anderen. Jede einzelne kleinigkeitige Erledigung erscheint irgendwo auf einer dieser Listen und übt Druck aus. Druck zum Abarbeiten der überlang erscheinenden Liste. Leistungsdruck. Mit ein wenig Entfernung erscheint das zu erledigende Pensum meist gar nicht mehr so erschreckend, oft sogar als zu bewältigen. Doch das Zurücklehnen und Überblick verschaffen kostet Zeit. Und könnte als ToDo-Punkt nur die Liste weiter verlängern.
Das Streichen eines unwichtigen Punktes kommt nicht in Frage, da einem Versagen gleich. Und Versager werden mit Ausgrenzung gestraft, sie haben keinen Platz in einer Gesellschaft, die sich allein durch die Anzahl der abgearbeiteten Todos definiert. Es fühlt sich an, als verlören wir Zeit, doch Zeit ist nicht "verlierbar".
Statt die uns zur Verfügung stehende Zeit auszufüllen, laufen wir ihr nach und haben den Eindruck, als platzte sie aus allen Nähten. Doch Zeit verstreicht, sie ist nicht überfüllbar. Effizientes Füllen der Zeit wäre die Lösung, doch wer panisch agiert, löst keine Probleme, er schafft sie vielmehr.
Wer auch noch anfängt, private Dinge, die zur Zerstreuung, zur Entspannung und zum Genuss gedacht sind, mit in das luftabschnürende Würgeband der Todos aufzunehmen, hat fast schon verloren. Er wird nichts mehr mit Freude tun können, da er in Abarbeitungsmanie keine Kapazität zur Aufnahme von Positivem mehr besitzt. Er wird zunehmend gehetzt, gebeutelt, entnervt und unerträglich für seine Mitmenschen. Bis zum vorprogrammierten Zusammenbruch.
Warum gibt es aber Menschen, die neben einem verantwortungsvollen und zeitintensiven Job eine komplette Familie organisiert bekommen, nebenher studieren und auch noch Zeit zum regelmäßigen Sport mit ebenso aktiven Freunden finden, wenn sie nicht malen oder mit der Rockband auf Tour durch die Festzelte sind? Ich weiss es nicht. Ich bewundere diesen Menschenschlag. Aber ich habe eine Idee: Realistische Planung mit Zeitpuffer. Und nicht alles planen.
Man nehme also eine herkömmliche ToDo-Liste und einen Kalender. Nun erwäge man kurz, wie lange man für jeden einzelnen Punkt wohl benötigen wird und forme hieraus einen Zeitplan. Zu jeder Abarbeitungseinheit addiere man großzügige Pufferzonen. Im Ergebnis fällt der primäre Stress der damoklesschwertartigen Liste von einem ab, man weiss einfach zu jedem Zeitpunkt, was zu tun ist. Hernach sollte einem auffallen, dass man zur Abarbeitung der meisten Punkte deutlich weniger Zeit benötigt, als ursprünglich angedacht. Hier entstehen Freiräume, die erst einmal als positive Bestätigung fungieren, aber auch die Möglichkeit bieten, spätere Arbeitsschritte vorzuterminieren und somit das definitive Arbeitsende eines Tages vorzuverlegen. Feierabend ist immer ein positives Erlebnis. Man sollte sich jedoch hüten, bereits Todos vom folgenden Tage abarbeiten zu wollen und sich so ein Zeitkonto anzusparen: Das geht schief, es schürt den Ergeiz immer schneller und schneller, immer mehr und mehr Punkte zu erledigen, schon findet man sich bereits wieder strampelnd im Hamsterrad. Goldene Regel: Niemals Termine des Folgetages auf den aktuellen Vorverlegen. Nach hinten verschieben geht immer, nie nach vorne! "Gewordene Freiräume" nur mit erfreulichen Tätigkeiten füllen!
Mit etwas Übung sollte sich eine unglaublich entspannende Routine einstellen. Man wird anfangen, mit den Aufgaben und ihrer Abarbeitung zu spielen, Termine enger setzten, wieder erweitern, wie es sich gerade gut anfühlt. Und man hat Vorgesetzten und fordernden Partnern gegenüber immer ein sehr konkretes Argument, wieso dies oder jenes just zu diesem Zeitpunkt eben nicht auch noch erledigt werden kann.
Auf einen Versuch werde ich es ankommen lassen, mir geht das ziellose Gestrampel auf den Sack. Wer noch günstig einen mit Outlook zu synchronisierenden T-Mobile MDA Vario 3 zur Selbstorgansisation benötigt, der melde sich einfach.
