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Mobilfunkrassismus
Ich bin Ausländer, da wo ich lebe. Kein Fremdsprachler (so richtig...), aber Ausländer. Jedoch aus der EU, sprich, es gibt laut Schengener Abkommen kein Einwanderungsprozedere mehr, als EU-Bürger ist man in jedem EU-Land gleichberechtigt mit den Ureinwohnern. Das hat sich mittlerweile auch auf allen Ämtern, Banken und bei praktisch allen Dienstleistern herumgesprochen. Doch nicht bei ONE.

ONE darf sich zu den größten Mobilfunkbetreibern Österreichs zählen. Nicht zuletzt wegen unbestreitbar günstigen alles-inbegriffen-nulllinien wie "Die große Plaudertasche" mit 1000 Freiminuten in alle Netze und 100 kostenlose SMS für schlappe 25 Euro. So etwas gibt es in Deutschland nicht. Daher wollte ich eine.
Follow up:
Selbstverständlich habe ich mich vorher informiert, selbstverständlich habe ich einen Termin mit der ONE-World meines Vertrauens vereinbart, selbstverständlich habe ich Überstunden abgebaut, um zu den in Österreich doch recht restriktiven Geschäftszeiten zu erscheinen, selbstverständlich erschien ich pünktlich, selbstverständlich musste ich ZWANZIG Minuten auf eine freie Beraterschlampe warten.
Umstandskrämerei pur war es, die sich zutrug. Fünf Unterschriften, Kopien von allem außer meinem Arsch, dann sollte ich ein paar Minuten warten, bis die Freischaltung erfolge, dann schließlich könne ich das firmenfinanzierte, vorbestellte
mitnehmen. Also ging ich eine rauchen. Als ich wiederkam, hatte sich noch nichts getan. Also ging ich noch eine rauchen.
Nach der zweiten Zigarettenpause teilte man mir mit, ich müsse noch einen Meldezettel und eine Kopie meines Reisepasses nachreichen. Meldezettel hatte ich selbstverständlich dabei, einen Reisepass besitze ich nicht. Zum Anmelden auf der Gemeinde hat der Personalausweis gereicht, ONE hingegen stellt sich an. Nach einem Telefonat ist das aber durch und mein Antrag wird "persönlich" geprüft. Nach weiteren DREISSIG Minuten ist das Ergebnis da: Antrag abgelehnt, da Wohnhaft noch nicht länger als drei Monate in Österreich.
Ja, leck mich in die Fresse geschissen, was soll denn das? Ich habe einen festen Wohnsitz, einen unbefristeten Arbeitsvertrag, ein Bankkonto und einen ausgeprägten, guten Willen, wieso stellt mich ein Mobilfunkwichsverein unverifiziert einfach mal unter generalisierten Terrorismusverdacht? Stand Osama hinter mir und zwinkerte neckisch? Hatten sich die Sprengstoffgürtel unter meinem bügelfreien Hemd wider Erwarten doch so deutlich abgezeichnet? Werden Deutsche grundsätzlich in Österreich so behandelt, wie es deutsche Braune mit "Kanacken" machen? Bin ich ein Kanacke? Was ist ein Kanacke überhaupt?
Ich war sauer. Stinkend sauer. So sauer, dass ich dem Drecksverein erst einmal eine siebenunddrölfzigkilometerlange Email mit vielfachen Anfeindungen, üblen Nachreden und Rassismusvorwürfen schrieb. Das war letzte Woche Freitag. Bereits Samstagmorgen hatte ich eine Entschuldigungsmeldung von der Kundenbetreuung im Mailfach, wo man mir anbot, meine Unterlagen erneut wohlwollend zu prüfen.
Am Arsch lecken können mich die. Aber nur mit frisch gewaschener Zunge. Bin ja nicht völlig dumm, hatte selbstverständlich bei T-Mobile ebenfalls ein Exemplar reservieren lassen, das habe ich dann am Montag abgeholt, der Vertragsabschluss war unproblematisch und in zehn Minuten abgewickelt. Der Vertrag kostet fünf Euro mehr im Monat, deckt dafür aber auch deutlich mehr Leistung ab (1000 Minuten in jedes EINZELNE Netz, 1000 freie SMS, ebenfalls 3 GB Daten, aber niedrigere Folgekosten). Hoch lebe der rosa Riese. Auch in Astrianien!
